Geschichte Innere Altstadt

Dresdner Altstadt mit Frauenkirche, Terrassenufer und Brühlscher Terrasse von der Augustusbrücke aus gesehen

Viele Lobpreisungen hat Dresden über die Jahrhunderte hinweg bereits gehört und wenn man heute durch die Innere Altstadt schlendert, muss man eingestehen - mit Recht. Die Sehenswürdigkeiten in Elbflorenz, wie Johann Gottfried Herder Dresden einst betitelt haben soll, laufen sich den Rang ab und es fällt schwer, einen Favoriten zu küren.

Die innere Altstadt befindet sich am linken Elbufer und ist das eigentliche historische Zentrum. Einst von mächtigen Festungsmauern umgeben, wurde die Pracht der Residenzstadt und seiner Regenten weithin bekannt. Die Stadtbefestigung wurde abgetragen, ist aber auch heute noch in Teilen erkennbar, beispielsweise auf der Grünfläche unterhalb des Moritzmonuments an der Brühlschen Terrasse. Anstelle der Stadttore entstanden Plätze - so der Postplatz am ehemaligen Wilsdruffer Tor und der Pirnaische Platz am ehemaligen Pirnaischen Tor. Dresden dehnte sich aus und wurde flächenmäßig immer größer.

Während der Bombardierung Dresdens im Jahr 1945 wurde die innere Altstadt vollständig zerstört. Bis heute dauert der Wiederaufbau an. Baustellen, Kräne und Ausgrabungsstätten gehören mittlerweile zum gewohnten Bild in der Innenstadt und es ist spannend, die Entwicklungen rund um Alt- und Neumarkt, Wilsdruffer Straße und Postplatz mit zu verfolgen. Mit dem weltweit beachteten Wiederaufbau der Frauenkirche und der Gestaltung des Neumarktes hat Dresdens Innenstadt an Charme noch gewonnen. Was gerade in den letzten Jahren durch den unermütlichen Einsatz vieler Menschen neu oder wieder entstand, erstaunt sicherlich nicht nur Touristen.

Dresden wurde im Jahr 1206 erstmals urkundlich erwähnt und 1216 zum ersten Male als Stadt bezeichnet. Die albertinischen Wettiner sind, seit sie Dresden Ende des 15. Jahrhunderts zu ihrer Residenz wählten, mit der Geschichte der Stadt fest verbunden, prägten sie doch Entwicklung und Bild der Stadt entscheidend. Der wohl bekannteste unter ihnen war Kurfürst August I. (1670 - 1733), der wegen seiner Tatkraft und Statur auch August der Starke genannt wurde. Er herrschte absolutistisch und wollte Sachsen zur europäischen Großmacht etablieren. Seine politischen Ambitionen liefen jedoch größtenteils fehl, so daß das sogenannte „Augusteische Zeitalter“ heute eher mit seinen großartigen barocken Bauten und seiner Liebe zu Kunst und Kultur in Zusammenhang gebracht wird. Bis heute blieben uns seine großartigen Kunstsammlungen in der Gemäldegalerie und im Grünen Gewölbe erhalten. Während seiner Regentschaft wurden u.a. Zwinger und Taschenbergpalais erbaut. Auf sein Geheiß wurde 1710 die erste europäische Porzellan- Manufaktur in Meißen gegründet. 1697 krönte man ihn zum König von Polen, sein bedeutendster politischer Erfolg. Legendär sind die Überlieferungen von rauschenden Festen und Bällen am Kurfürstenhof dieser Zeit. Zahlreiche Mätressen versüßten dem Genussmenschen August das Leben. Gräfin Cosel, der bekanntesten seiner Geliebten, machte er u.a. das Taschenbergpalais zum Geschenk. Sie galt als eine der schönsten und klügsten Frauen dieser Zeit. Nachdem August der Starke der Gräfin überdrüssig geworden war, lebte sie bis zu ihrem Tod jahrzehntelang als Gefangene auf Burg Stolpen. Als August der Starke 1733 in Warschau verstarb, setzte man ihn dort bei. Sein Herz jedoch brachte man nach Dresden, wo es - wie man sagt - heute noch schlägt...

Der Dresdner Zwinger

entnommen aus „Historischer Wanderleitfaden“- Dresdner Stadtspaziergänge

Der Raum zwischen äußerer und innerster Festungsmauer einer Stadtbefestigung wurde Zwinger genannt. Auf diesem Gelände an der Bastion Luna begannen die Bauarbeiten. Ursprünglich erhielt Pöppelmann 1709 den Auftrag, eine Winterunterkunft für die kostbaren und empfindlichen südländischen Gewächse, die am Hofe sehr beliebt waren, zu schaffen. Nach 1711 wurden die Pläne erweitert und die Orangerie gebaut. Zu dieser Zeit begann Permoser mit seiner Arbeit an den Figuren für das Nymphenbad. Bis 1716 wurden der Französische und der Mathematische Pavillon errichtet. Das Kronentor, Dokumentation der polnischen Königswürde des Bauherren Friedrich August I., nahm mit der Langgalerie seit 1715 Gestalt an. Gegen den Widerspruch des Militärs wurden damit die Festungswälle bebaut. Bis 1732 fügten sich nacheinander die stadtwärts liegenden Bogengalerien und Pavillons in das Bauwerk ein. Die beschwingten Bauformen der Gebäudeteile verschwinden förmlich unter der Fülle des bildhauerischen Schmuckes. Etwa 600 Figuren aus sächsischem Sandstein schmücken das Ensemble, welche nicht nur Permoser zugeschrieben werden. Erst 1847 - 1855 wurde der Zwinger zur Elbe hin durch den Museumsbau der Gemäldegalerie von Gottfried Semper abgeschlossen. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges wurde der Zwinger rekonstruiert. Fortlaufende Arbeiten halten ihn instand. Heute hat der Zwinger jährlich ca. 2,5 Mio. Besucher und wird hauptsächlich museal genutzt. Der Kunsthistoriker Hans Weigert fasst sein Urteil in einem einfachen Satz zusammen: „ Der Zwinger ist der Gipfel des Barock in Europa.“

Stallhof und Fürstenzug

Der Stallhof ist einer der letzten Zeitzeugen der Renaissance in Dresden. Hier wurden Spektakel und Turniere abgehalten, bei denen sich die höfische Gesellschaft mit sportlichen Wettkämpfen die Zeit vertrieb. Der Lange Gang mit seinen Arkaden, an denen Trophäen, Wappen und die Sgrafitto-Technik zu bewundern sind, wird dem Besucher besonders ins Auge fallen. Im Dezember fand hier der beliebte Mittelalterliche Weihnachtsmarkt statt, bei dem es im letzten Jahr während eines Brandes zu erheblichen Beschädigungen an der historischen Fassade kam, die nun beseitigt werden. Der Fürstenzug befindet sich an der äußeren Nordwand des Stallhofes. Er misst ganze 102 Meter auf denen auf 25.000 Meißner Porzellankacheln die Sächsischen Herrscher mit Gefolge abgebildet sind.

Das Residenzschloss - Dresdner Schloss

... war bis 1918, als der letzte Sächsische König angeblich mit den Worten: „Dann macht doch euern Dreck alleene!“ abdankte, Wohn- und Regierungssitz der Sächsischen Landesfürsten. Ein spätromanischer Bau wurde über die Jahrhunderte hinweg mehrmals umgebaut. Im 16. Jahrhundert entstand so unter Kurfürst Moritz eines der prachtvollsten Renaissanceschlösser in Deutschland. Nach einem verheerenden Schlossbrand von 1701 wurden die Räume auf Geheiß von August des Starken mit barockem Prunk neu gestaltet. Als auch dieses Gebäude 1945 komplett niederbrannte, begann man 1985 mit dem komplizierten Wiederaufbau. Nach und nach zogen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in den Gebäudekomplex ein. So auch seit 2004 das „Grüne Gewölbe“. Vom ca. 100 m hohen Hausmannsturm, der noch der Zeit der romanischen Burganlage zugerechnet werden kann, genießt man einen phantastischen Blick über die Stadt.

Die Brühlsche Terrasse

Nachdem die militärischen Wehranlagen an Bedeutung verloren hatten, verschenkte Kurfürst Friedrich August II. - Sohn von August dem Starken - Teile der Anlagen an seinen Minister Heinrich Graf von Brühl. Dieser errichtete sich hier in der Mitte des 18. Jahrhunderts sein persönliches barockes Areal mit Lustgarten. Seit die Brühlsche Terrasse 1814 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, erreicht man sie über eine monumentale Freitreppe am Schlossplatz, welche von den „Vier Jahreszeiten“ gerahmt wird. Von den Bauten Minister Brühls ist heute leider nicht mehr viel übrig, jedoch ist der „Balkon Europas“, wie die Terrasse auch schwärmerisch betitelt wird, ein Highlight der Dresdner Sehenswürdigkeiten.

Der Altmarkt

Von jeher ist der Altmarkt ein zentraler Punkt in Dresden, auf dem Feste, Turniere und Märke abgehalten wurden. 1370 wurde er als „circulus“ erstmals urkundlich erwähnt und bereits um 1400 kam der Begriff „Margt“ auf. Als an der Frauenkirche der Neumarkt entstand, bürgerte sich für den Platz der Name „Alter Markt“ ein. Berühmt wurde der Platz sicherlich auch durch den auf ihm abgehaltenen Striezelmarkt. Nachdem der Altmarkt 1945 vollkommen zerstört worden war, begann man 1953 mit der Neubebauung der Ost- sowie Westseite, wobei man hierbei auf historische Elemente zurückgriff. Als nördlicher Abschluss wurde bis 1969 der Kulturpalast errichtet. Erst 1998 entstanden auf der Südseite moderne Geschäfts- und Bürohäuser.

Der Gänsediebbrunnen

auszugsweise entnommen aus Historischer Wanderleitfaden“- Dresdner Stadtspaziergänge

Robert Dietz, Professor an der Dresdner Kunstakademie, schuf 1878 die Hauptfigur des Brunnens: den Gänsedieb. Die Geschichte des Gänsediebes geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Ein Schweizer namens Thomas Platter zog als wandernder Schüler durch Deutschland und stahl bei Dresden zwei Gänse. In Dresden fand er dann Aufnahme in der Kreuzschule. Die Figur auf dem Brunnen wurde als ein fideler Bursche, seine Beute im Arm haltend und nach der heftig erschrockenen zweiten Gans greifend, sehr lebendig dargestellt. Auch bei den zwei unter ihm entfliehenden, flügelschlagenden Gänsen, hört man förmlich ihr ängstliches Geschrei. Das volkstümliche Werk, von dem ein gewisser Humor ausgeht, wurde erstmals zum 36. Geburtstag von Dietz am 20. April 1880 auf dem Ferdinandplatz der Öffentlichkeit übergeben. ... Seinen neuen Standplatz erhielt der Gänsedieb- Brunnen nach Überholung und Reinigung 1961 auf der Weißen Gasse.

Bericht aus dem Magazin die-infoseiten.de / Ausgabe März-April 2008

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Ein Kommentar zum Thema “Geschichte Innere Altstadt”

  1. Oehl sagt:

    Grundsteinlegung für Neubau des Mathematisch-Physikalischen Salons (MPS) im Dresdner Zwinger

    Im Rahmen der bereits im Mai 2008 begonnenen Generalsanierung des Mathematisch-Physikalischen Salons im Dresdner Zwinger ist heute der Grundstein für den geplanten Neubau gelegt worden.
    Der neue Anbau im rückwärtigen Bereich des Mathematisch-Physikalischen Pavillons wird Flächen für Technik, Notdepot und –werkstatt sowie eine Ausstellungsfläche beherbergen. Er war notwendig geworden, nachdem bei Grabungen des Landesamts für Archäologie im Erdgeschoss des Mathematisch-Physikalischen Salons wertvolle archäologische Funde entdeckt worden waren.
    „Ziel der Generalsanierung ist es, die weltweit bedeutenden wissenschaftshistorischen Sammlungen des Mathematisch-Physikalischen Salons an ihrem ursprünglichen Standort in ansprechend gestaltetem Architekturrahmen zu präsentieren“, erklärte Finanzminister Prof. Dr. Georg Unland aus Anlass der Grundsteinlegung. Die Gesamtkosten der Generalsanierung belaufen sich auf rund 14,5 Millionen Euro. Ende 2012 soll das Bauvorhaben unter Leitung des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) abgeschlossen sein.
    Der neue Anbau ist das Ergebnis des überarbeiteten Baukonzepts. Umplanungen waren vor allem im Bereich des ehemaligen Grottensaales notwendig. Das Landesamt für Archäologie hatte bei Grabungen ca.15.000 Stuckfragmente gefunden, die zur originalen Ausstattung des Saales gehörten. In diesem Zusammenhang wurden auch alte Leitungen der Wasserspiele des Grottensaales freigelegt und gesichert. Die teils bemalten, vergoldeten bzw. mit Glasflitter beschichteten Fragmente, die einst zum Grottenwerk an den Wänden und Brunnen gehörten, wurden im Landesamt für Denkmalpflege untersucht, dokumentiert und anschließend eingelagert.
    Durch die Funde kann der ehemalige Grottensaal nicht wie geplant zur Unterbringung von Depots, Werkstätten und Klimazentrale unterkellert werden. Diese werden nun im neuen unterirdischen Anbau im Wall untergebracht. Die ursprünglich im Grottensaal vorgesehene Ausstellungsfläche ist nun im „Neuen Saal“ des Neubaus vorgesehen. Der fensterlose Ausstellungsbereich (ca.160 qm) bietet beste Bedingungen für lichtempfindliche Ausstellungsgegenstände.

    Archäologische Funde gibt es aber nicht nur im Bodenbereich, sondern ganz neu auch in den Arkadenbögen. Bei den laufenden Sanierungsarbeiten wurden im Erdgeschoss, in vermauerten Arkadenbögen, originale Reste der Stuckausstattung des ehemaligen Grottensaales entdeckt.
    Es handelt sich um reich ornamentiertes Tropfenwerk, Blattranken und Muschelwerk sowie aufwändig gestaltete Schlusssteine, die mit einem kräftigen Farbauftrag in gelbem, weißen und grünen Glasflimmer versehen sind. Der einmalige Fund stellt ein ein-zigartiges Zeugnis der historischen Ausstattung des Grottensaales aus der Zeit August des Starken dar, der den Zwinger samt Grotte durch Daniel Matthäus Pöppelmann im frühen 18. Jahrhundert errichten ließ. Die Grotte galt bislang als verloren, da ihre Ausstattung bereits im frühen 19. Jahrhundert entfernt wurde. Die Funde werden gesichert, ausgewertet und behutsam in die weiteren Planungen einbezogen. Anhand der ge-wonnenen Erkenntnisse soll im Abgleich mit einem Kupferstich, der das Innere der Grotte im 18. Jahrhundert zeigt, die historische Ausstattung soweit wie möglich nachvollzogen werden.

    Der ehemalige Grottensaal selbst wird zum Eingang für die Besucher und bietet gleichzeitig den Auftakt der Ausstellung. Dadurch wird dieser in seiner Bedeutung aufgewertet und die historische Erschließung durch das Hauptportal im Pavillon aufgenommen.
    Im Rahmen der Generalsanierung entstehen neu gestaltete Ausstellungsflächen (ca. 1.100 qm), Depots, Werkstätten sowie Verwaltungsbereiche für den Museumsbetrieb des MPS. Die Bauarbeiten umfassen die denkmalgerechte innere und äußere Sanierung der Bogengalerie K, des Anbaus R, des Pavillons F und der Langgalerie O, einschließlich der Terrassen, der Treppenanlagen und des Figurenschmuckes an den Fassaden. Darüber hinaus ist die gesamte Technik unter Beachtung klimatischer und sicherheitstechnischer Belange zu modernisieren. Besonderes Augenmerk wird auf die neue Präsentation und Ausleuchtung des oft sehr lichtempfindlichen Kunstgutes gelegt.
    Der Dresdner Zwinger gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Stadt. Die einzigartige Verbindung von Architektur und Plastik erhebt den Zwinger zu einem der Hauptwerke des europäischen Barocks. Der Pavillon F, die Bogengalerie K und die Langgalerie O sind in den Jahren 1712/14 vom Oberlandbaumeister M. D. Pöppelmann erbaut worden. Kurz nachdem das »Königliche Cabinet der mathematischen und physikalischen Instrumente« 1728 im Zwinger untergebracht worden war, entstand das erste Inventarverzeichnis der Sammlung. Im Jahr 1746 erhielt das Museum schließlich seinen bis heute gültigen Namen »Mathematisch-Physikalischer Salon«.

    Pressemitteilung Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, 5.10.2010

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