Eine Geschichte aus dem Alten Dresden
- auszugsweise entnommen aus "Aus der Heimat - Geschichten, Schilderungen und Beschreibungen von Dresden und seiner Umgebung", Bleyl & Kaemmerer, Inh.: O. Schambach, 1907 -
Auf der staubigen und holprigen Wilsdruffer Landstraße kommt ein junger Bursch gewandert. Er trägt eine Filzkappe auf dem Haupte, ein Felleisen von Ziegenhaut auf dem Rücken und in den Händen einen eisenbeschlagenen Knotenstock. Seine Kleidung besteht aus einer Hose und Bluse von dunklem Tuche, und seine Füße stecken in großem Schlappstiefeln. So schreitet er rüstig vorwärts, bis er die Türme und Mauern von Dresden erblickt.
Noch ein gut Stück vor dem Tore macht er Halt, stäubt seine Stiefeln und Kleider ab und schreitet dann über die Zugbrücke nach dem Torhause, wo der Torwart ihm den Weg vertritt und ihn fragt: "Woher des Wegs?" "Bin ein Bremer Kind und ein Schustergesell, der hier Arbeit sucht!", antwortet der Wanderer. "Ohne das Handwerkszeichen kein Einlaß," brummt der Wächter. Da nimmt der Gesell seinen Ranzen unter den linken Arm, stellt beide Füße zusammen, reicht ein viereckiges Blechstück, auf welches die Zeichen des Handwerkes eingegraben sind, dem Torwart und sagt: "Dahier!"
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